01 / Die kurze Antwort

Die kurze Antwort#

DICOM (Digital Imaging and Communications in Medicine) ist ein internationaler Standard für medizinische Bildgebung. Eine DICOM-Datei enthält:

  • Das eigentliche Bild (oder mehrere Bilder)
  • Detaillierte Informationen über das Aufnahmegerät
  • Patientendaten
  • Aufnahmedatum, Zeit und Ort
  • Bei MRT: Sequenzparameter
  • Bei CT: Hounsfield-Werte für jeden Bildpunkt

Wenn Sie eine CD vom Krankenhaus bekommen, sind die einzelnen Dateien darauf fast immer DICOM-Dateien. Sie haben oft die Endung .dcm, manchmal aber auch keine Endung.

02 / Warum nicht einfach JPEG?

Warum nicht einfach JPEG?#

JPEG ist gut für Urlaubsfotos. Für medizinische Bildgebung reicht es nicht. Hier sind die Unterschiede:

Helligkeitsbereich JPEG: 256 Stufen (8 Bit pro Bildpunkt) DICOM: 4096 bis 65536 Stufen (12 bis 16 Bit)

Ein CT-Bild zeigt Knochen (sehr hell), Lunge (sehr dunkel), Weichteile (im mittleren Bereich) gleichzeitig. Mit JPEG sind die Übergänge zu grob, feine Details gehen verloren.

Metadaten JPEG: Nur grundlegende Bildinformationen DICOM: Hunderte von Feldern mit medizinischen Details

Bei einer MRT braucht der Radiologe zu wissen, welche Sequenz das ist (T1, T2, FLAIR), in welcher Schichtdicke, mit welchem Magnetfeld. All das steht im DICOM-Header. JPEG kann das nicht speichern.

Mehrere Schichten in einer Datei JPEG: Ein Bild pro Datei DICOM: Ein Bild oder eine ganze Serie pro Datei

Eine DICOM-Datei kann eine einzelne Schicht oder einen ganzen Ultraschall-Clip mit hunderten Frames enthalten. JPEG kann das nicht.

Kalibrierung JPEG: Nur relative Helligkeit DICOM: Absolute Werte (Hounsfield-Einheiten bei CT, T1- oder T2-Relaxationszeiten bei MRT)

Hounsfield-Werte erlauben dem Radiologen, Knochen von Kalk, Wasser von Fett, Kontrastmittel von Blut zu unterscheiden. Mit JPEG ginge das nicht.

03 / Was steht im DICOM-Header?

Was steht im DICOM-Header?#

Der DICOM-Header ist eine Sammlung von "Tags" mit jeweils einem Wert. Jedes Tag hat eine eindeutige Nummer und eine Bedeutung. Beispiele:

Patientenbezogen:

  • (0010,0010) PatientName: Mustermann^Max
  • (0010,0030) PatientBirthDate: 19800115
  • (0010,0040) PatientSex: M
  • (0010,1010) PatientAge: 045Y

Untersuchungsbezogen:

  • (0008,0020) StudyDate: 20260415
  • (0008,0030) StudyTime: 143200
  • (0008,1030) StudyDescription: MRT Knie links
  • (0008,0080) InstitutionName: Klinikum Hamburg

Aufnahmegerät:

  • (0008,0070) Manufacturer: SIEMENS
  • (0008,1090) ManufacturerModelName: MAGNETOM Skyra
  • (0018,0087) MagneticFieldStrength: 3
  • (0018,0050) SliceThickness: 4.0

Bei MRT (sequenzspezifisch):

  • (0018,0020) ScanningSequence: SE
  • (0018,0021) SequenceVariant: SK
  • (0018,0080) RepetitionTime: 500
  • (0018,0081) EchoTime: 15

Bei CT (windowing):

  • (0028,1050) WindowCenter: 40
  • (0028,1051) WindowWidth: 400

Insgesamt kann eine DICOM-Datei zwischen 50 und 500 verschiedene Tags enthalten. Die meisten sind technisch und für Patienten nicht relevant.

04 / Wie eine MRT-Untersuchung aufgebaut ist

Wie eine MRT-Untersuchung aufgebaut ist#

Wenn Sie eine MRT-CD haben, ist sie typischerweise so aufgebaut:

Eine Studie (Study) = Ihre gesamte Untersuchung

  • Eine Serie (Series) = eine Sequenz (T1, T2, FLAIR, ...)
  • Mehrere Instanzen (Instances) = einzelne Schichten

Beispiel: eine Knie-MRT könnte aussehen wie:

  • Studie: MRT Knie links, 15. April 2026
  • Serie 1: T1 sagittal (24 Schichten)
  • Serie 2: T2 sagittal (24 Schichten)
  • Serie 3: PD axial (32 Schichten)
  • Serie 4: STIR coronar (24 Schichten)

Jede einzelne Schicht ist eine eigene DICOM-Datei. Insgesamt sind das in diesem Beispiel 104 Dateien. Eine CT mit dünneren Schichten kann leicht 800 oder 2000 Dateien haben.

05 / Was DICOMDIR ist

Was DICOMDIR ist#

Auf Krankenhaus-CDs liegt meist eine Datei namens DICOMDIR (manchmal ohne Endung). Das ist das Inhaltsverzeichnis: es sagt einem Viewer, welche Datei zu welcher Studie, Serie und Schicht gehört.

Wenn Sie einen DICOM-Viewer auf einen Ordner mit DICOMDIR loslassen, sortiert er alles automatisch. Ohne DICOMDIR muss der Viewer jede einzelne Datei einlesen, um die Reihenfolge zu rekonstruieren, was deutlich länger dauert.

OpenMyScan kommt mit beiden Fällen zurecht.

06 / DICOM und Datenschutz

DICOM und Datenschutz#

DICOM-Dateien enthalten viele identifizierbare Daten. Wenn Sie eine Aufnahme weitergeben, denken Sie an:

  • Patientenname
  • Geburtsdatum
  • Patienten-ID (oft die Versicherungsnummer)
  • Aufnahmeklinik
  • Manchmal Adresse und weitere Felder

Vor dem Teilen außerhalb der ärztlichen Kommunikation sollten Sie diese Daten entfernen. Lesen Sie unsere Anleitung zur DICOM-Anonymisierung.

Innerhalb der ärztlichen Kommunikation (Sie senden an Ihren Arzt) ist keine Anonymisierung nötig. Der Arzt braucht Ihre Daten zur korrekten Zuordnung.

07 / DICOM auf verschiedenen Geräten

DICOM auf verschiedenen Geräten#

DICOM-Dateien sind ein offener Standard. Sie funktionieren auf:

  • Spezialisierten Bildbetrachtern in Krankenhäusern (PACS-Systeme)
  • Desktop-Programmen (MicroDicom, Horos, Weasis, RadiAnt)
  • Online-Viewern im Browser (OpenMyScan und andere)
  • Forschungs-Software (3D Slicer, OsiriX)

Was nicht funktioniert: die normalen Bildbetrachter Ihres Betriebssystems (Vorschau auf macOS, Fotos auf Windows). Sie kennen DICOM nicht.

08 / Geschichte und Zukunft

Geschichte und Zukunft#

DICOM gibt es seit 1985, der erste vollständige Standard wurde 1993 verabschiedet. Seitdem wurde es laufend erweitert. Heute deckt DICOM ab:

  • Standard-Bildgebung (Röntgen, MRT, CT, Ultraschall, Mammographie)
  • Endoskopie und Pathologie
  • Strahlentherapie-Planung
  • 3D-Druck-Daten aus medizinischen Aufnahmen
  • KI-Annotation und Strukturierte Befunde
  • Gespeicherte Messungen und Annotationen

In den nächsten Jahren wird DICOM stärker mit Web-Technologien (DICOMweb, JSON-basiert) und KI-Integration verknüpft. Das Grundformat bleibt aber weiterhin DICOM.

09 / Häufige Fragen

Häufige Fragen#

Wofür steht DICOM?

Digital Imaging and Communications in Medicine. Es ist sowohl ein Dateiformat als auch ein Übertragungsprotokoll zwischen medizinischen Geräten.

Warum ist meine DICOM-Datei so groß?

Eine DICOM-Datei kann mehrere Schichten oder einen ganzen Clip enthalten. Außerdem ist die Helligkeitstiefe größer als bei JPEG. Eine einzelne CT-Schicht kann 500 KB bis 2 MB groß sein.

Sind alle DICOM-Dateien gleich?

Im Grundgerüst ja, aber jeder Hersteller hat eigene Erweiterungen und Eigenheiten. Manche Krankenhaus-Geräte exportieren DICOM-Varianten, die andere Geräte nicht perfekt verstehen. Moderne Viewer kompensieren das meist.

Kann ich DICOM-Dateien in der Cloud speichern?

Technisch ja, datenschutzrechtlich problematisch. DICOM-Dateien sind personenbezogene Gesundheitsdaten und unterliegen besonderem Schutz. Wenn Sie sie in der Cloud speichern, achten Sie auf DSGVO-konforme Anbieter.

Verändern Viewer meine DICOM-Daten?

Seriöse Viewer verändern die Originaldaten nicht. Sie zeigen nur das Bild an. Wenn Sie Änderungen machen (etwa Annotationen oder Helligkeit), werden diese meist als separate Datei gespeichert, nicht in der Originaldatei.

Brauche ich DICOM-Kenntnisse, um meine Aufnahme zu verstehen?

Nein. Ein guter Viewer zeigt Ihnen das Bild, ohne dass Sie sich mit dem Format beschäftigen müssen. Die DICOM-Details sind für Ärzte, Forscher und Software-Entwickler relevant.

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